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Das Korn, das Zivilisationen ernährte

Hirse

Winzige Körner, eine große Geschichte

Hirse ist eine Sammelbezeichnung für viele kleinkörnige Getreidegräser, die weltweit als Nahrung und Futter angebaut werden. Robust, trockenheitsfest und von Natur aus glutenfrei – sie ernährt die Menschen seit rund 8000 Jahren und gilt heute als Korn für einen heißeren, hungrigeren Planeten.

~8000
Jahre vom Menschen genutzt
10–12
Gattungen von Hirsegräsern
30,9 Mt
weltweit geerntet (2022)
0 %
Gluten – von Natur aus

Quelle: Wikipedia: Hirse

Hirse
HirseBild:Herovaclicks, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Überblick

Was genau ist Hirse?

„Hirse“ ist keine einzelne Pflanze, sondern eine Sammelbezeichnung für viele kleinkörnige Getreidegräser. Sie gehören zur Familie der Süßgräser (Poaceae); die meisten Arten zählen zur Gruppe der Millethirsen.

Hirsen sind kleinkörnige, einjährige Warmwetter-Getreide. Sie sind außergewöhnlich tolerant gegenüber Trockenheit und anderen extremen Bedingungen, ihr Nährstoffgehalt ist dabei dem anderer wichtiger Getreide ähnlich. Botanisch unterscheidet man üblicherweise 10–12 Gattungen, die als Hirse angebaut werden.

Die verschiedenen Hirsen sind nicht alle eng miteinander verwandt – sie gehören unterschiedlichen Tribus und Unterfamilien der Gräser an. Wie Mais sind Hirsen wärme- und lichtliebende C4-Pflanzen, was viel von ihrer Effizienz in heißen, trockenen Klimazonen erklärt.

Nach der Beschaffenheit der Körner teilt man Hirsen in zwei Hauptgruppen: die großkörnigen Sorghumhirsen mit höheren Hektarerträgen (etwa 14–17 dt/ha) und die kleinkörnigen Millethirsen oder „echten Hirsen“ mit entsprechend geringeren Erträgen (ca. 7–9 dt/ha). Der Begriff „Millet“ wird vor allem im Englischen und Französischen verwendet; in Afrika spricht man häufig von Milo oder Milocorn.

Hirsen sind Pflanzen der halbtrockenen Tropen, vor allem in Asien und Afrika – besonders in Indien, Mali, Nigeria und Niger – mit rund 97 % der Welterzeugung in Entwicklungsländern. Geschätzt wird die Hirse für ihre Produktivität und ihre sehr kurze Wachstumszeit unter heißen, trockenen Bedingungen.

Quelle: Wikipedia: Hirse

Heranreifende Hirserispen auf dem Feld.
Heranreifende Hirserispen auf dem Feld.Bild:Unbekannt, Public domain, via Wikimedia Commons
Kolbenhirse (Setaria italica) in einer japanischen Pflanzenzeichnung von 1804.
Kolbenhirse (Setaria italica) in einer japanischen Pflanzenzeichnung von 1804.Bild:AnonymousUnknown author, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Die Familie

Die wichtigsten Hirsearten

Wirtschaftlich am bedeutendsten sind Perlhirse, Sorghumhirse, Fingerhirse, Rispenhirse, Kolbenhirse und Teff. Jede hat ihr eigenes Aussehen, ihren Geschmack und ihre Heimatregion.

Perlhirse

Perlhirse

Pennisetum glaucum

Die am häufigsten angebaute Millethirse. In der Sahelzone Westafrikas domestiziert, ist sie neben dem Sorghum eines der beiden großen Trockengetreide im halbtrockenen Afrika und Südasien. In Namibia ist sie als „Mahangu“ das wichtigste Grundnahrungsmittel.

Wikipedia: Perlhirse

Roger Culos, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Fingerhirse

Fingerhirse

Eleusine coracana

Stammt aus dem Hochland Ostafrikas und wurde vor dem dritten Jahrtausend v. Chr. domestiziert. In Südindien ist sie als „Ragi“ überaus wichtig und wird zu Fladenbrot (Ragi Rotti) und Teigklößen (Ragi Mudde) verarbeitet.

Wikipedia: Fingerhirse

Sureshpadmanabha, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Rispenhirse

Rispenhirse

Panicum miliaceum

Auch Echte Hirse oder Braunhirse genannt – in Europa seit der Bronzezeit genutzt und sehr mineralstoffreich. Manche Sorten reifen schon 60 Tage nach der Aussaat und nutzen Wasser effizienter als jedes andere getestete Getreide.

Wikipedia: Rispenhirse

Jschnable, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Kolbenhirse

Kolbenhirse

Setaria italica

Eine der ältesten Kulturhirsen und ein Grundnahrungsmittel des frühen Neolithikums in China. 1753 von Linné als Panicum italicum beschrieben; in Europa und Nordamerika auch als Vogelfutter beliebt.

Wikipedia: Kolbenhirse

Salil Kumar Mukherjee, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sorghumhirse

Sorghumhirse

Sorghum bicolor

Auch Milo oder Mohrenhirse. Mit deutlich größeren Körnern und höheren Erträgen wird sie meist als eigenes Getreide behandelt und ist in Afrika und Indien ein Grundnahrungsmittel.

Wikipedia: Sorghumhirse

No machine-readable author provided. Pethan assumed (based on copyright claims)., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Teff (Zwerghirse)

Eragrostis tef

Eine besonders kleinkörnige Hirse. In Äthiopien und Eritrea ist Teff die wichtigste Nahrungspflanze überhaupt und wird zu Mehl für das schwammige Fladenbrot Injera verarbeitet.

Wikipedia: Teff

Fonio & Hühnerhirse

Fonio & Hühnerhirse

Digitaria · Echinochloa

Fonio ist in einigen Regionen Westafrikas mit kargen Böden ein Grundnahrungsmittel. Die Hühnerhirsen (Echinochloa) – darunter Japan- und Sawahirse – werden in Asien als Nahrung und Futter angebaut.

Wikipedia: Fonio

Sengai Podhuvan, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Hiobsträne

Coix lacryma-jobi

Ein ungewöhnliches Hirsegras, dessen harte, tropfenförmige Körner als Getreide gegessen und als Perlen aufgefädelt werden. Es rundet die erstaunlich breite Hirse-Familie ab.

Wikipedia: Hiobsträne

Quellen: Wikipedia: HirseWikipedia: PerlhirseWikipedia: FingerhirseWikipedia: RispenhirseWikipedia: KolbenhirseWikipedia: SorghumhirseWikipedia: TeffWikipedia: FonioWikipedia: Hiobsträne

Geschichte

Ein Korn am Beginn des Ackerbaus

Hirse diente bereits vor rund 8000 Jahren zur Herstellung von ungesäuertem Fladenbrot. Ihre Geschichte reicht vom neolithischen China bis ins bronzezeitliche Europa.

  1. vor ca. 8700–10.300 Jahren · China

    Einige der ältesten Belege für Hirseanbau stammen aus Cishan in Nordchina, wo Reste von Rispenhirse in Vorratsgruben gefunden wurden. Kolbenhirse erscheint dort vor etwa 8700 Jahren. In China wird die Rispenhirse seit mindestens 4000 Jahren genutzt; der Mythos schreibt das Korn dem „Herrn Hirse“ (Hou Ji) zu.

  2. 3700–3000 v. Chr. · Indien

    Auf dem indischen Subkontinent wurde die Kodohirse um 3700 v. Chr. und die Kutkihirse um 3000 v. Chr. domestiziert. Die Fingerhirse hatte sich um 1800 v. Chr. nach Südindien ausgebreitet, die Perlhirse kam um 2000–1700 v. Chr. dorthin.

  3. vor 3000 v. Chr. · Afrika

    Die Fingerhirse stammt aus dem Hochland Ostafrikas und wurde vor dem dritten Jahrtausend v. Chr. domestiziert. Die Perlhirse wurde in der westafrikanischen Sahelzone aus einer Wildform gezüchtet.

  4. ab ~1600 v. Chr. · Europa

    Die Rispenhirse gelangte aus Ostasien zunächst nördlich des Schwarzen Meeres nach Europa. Ab etwa 1500 v. Chr. ist sie in Norditalien nachgewiesen, ab 1450 v. Chr. in Mittel- und Westdeutschland und ab 1200 v. Chr. in Norddeutschland.

  5. Antike & Mittelalter

    Im Altertum und Mittelalter zählten die Hirsen zum meistangebauten Getreide. Pythagoras empfahl die Hirse, und Gästen Attilas soll ausschließlich Hirse gereicht worden sein. In der frühen Neuzeit verdrängten Kartoffel und Mais die Hirse fast völlig; sie galt fortan als „Hungergetreide“.

Quellen: Wikipedia: HirseWikipedia: Rispenhirse

Hirse reift noch heute auf den Feldern von Kerala, Indien.
Hirse reift noch heute auf den Feldern von Kerala, Indien.Bild:Kaitha Poo Manam, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Anbau

Gemacht für Hitze, Trockenheit und karge Böden

Das Besondere an der Hirse ist nicht Glamour, sondern Zähigkeit. Sie gedeiht dort, wo andere Getreide versagen – auf trockenem, nährstoffarmem Land, in kurzen Sommern, unter sengender Sonne.

Die Perlhirse ist neben dem Sorghum eines der beiden großen Trockengetreide in den halbtrockenen, wenig fruchtbaren Anbauregionen Afrikas und Südostasiens. Hirsen sind nicht nur an arme, trockene Böden angepasst, sie sind dort auch zuverlässiger als die meisten anderen Getreide. Bei besseren Bedingungen danken sie es: Mit Bewässerung und Düngung kann der Ertrag zwei- bis viermal höher ausfallen.

Auch Schnelligkeit ist eine Stärke: Manche Rispenhirse-Sorten bilden schon 60 Tage nach der Aussaat Körner. Der Preis dafür ist der Ertrag – Hirse liefert mit durchschnittlich etwa 12 dt/ha den geringsten Hektarertrag aller Getreide, weshalb der ertragreichere Mais in traditionellen Hirsegebieten an Boden gewinnt. Doch Hirse hat einen entscheidenden Vorteil: Selbst bei sehr schlechtem Wetter fällt die Ernte fast nie komplett aus.

Züchtung kann das Bild verändern. Die in Indien aus einer Wildform aus Burkina Faso entwickelte Sorte ‚Okashana 1‘ verdoppelte die Erträge; 1990 in Namibia eingeführt, wurde sie dort zur beliebtesten Sorte und verbreitete sich weiter nach Tschad, Mauretanien und Benin.

Sorgenfrei ist der Anbau nicht. Hirse leidet unter Schädlingen wie Stängelbohrern, der Hirsemücke, Blattläusen, Thripsen, Käfern und Heuschrecken sowie unter ernsten Pilzkrankheiten wie Brand, Falschem Mehltau, Mutterkorn, Rost und Kornschimmel. Bakterielle und virale Krankheiten sind meist weniger gravierend.

Quellen: Wikipedia: HirseWikipedia: RispenhirseWikipedia: Perlhirse

Kontrolle eines Perlhirse-Bestands auf dem Feld.
Kontrolle eines Perlhirse-Bestands auf dem Feld.Bild:Swathi Sridharan (ICRISAT), CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Im Sommer reifende Perlhirse.
Im Sommer reifende Perlhirse.Bild:Herovaclicks, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Nährwert & Gesundheit

Kleines Korn, große Nährwerte

Hirse hat einen Nährwert, der mit herkömmlichen Getreiden wie Weizen und Reis vergleichbar ist – mit einigen herausragenden eigenen Stärken.

Die Rispenhirse ist besonders mineralstoffreich: Sie enthält Phosphor, Magnesium und Kalium und – verglichen mit anderen Getreiden – besonders viel Silizium (Kieselsäure), Eisen und B-Vitamine. Rund 100 g Rispenhirse liefern etwa 1484 kJ (355 kcal).

Hirse und Sorghum können mit etwa 35–50 mg phenolischer Substanzen je 100 g sehr hohe Mengen enthalten, denen überwiegend eine gesundheitsförderliche Wirkung zugeschrieben wird: Sie verringern den glykämischen Index und senken häufig den Blutcholesterinspiegel. Regelmäßiger Konsum kann das Risiko von Speiseröhrenkrebs verringern – im Vergleich zu Weizen und Mais.

Wichtig für viele Menschen: Hirse ist von Natur aus glutenfrei. Bei Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie kann sie glutenhaltige Getreide ersetzen und wird zu glutenfreiem Gebäck und sogar Bier verarbeitet – wobei ein Risiko der Verunreinigung mit glutenhaltigen Getreiden bleibt.

Es gibt aber auch Einschränkungen: Hirse enthält Antinährstoffe sowie Stoffe wie Flavonoide und Dhurrin, welche die Aufnahme von Jod behindern können – eine sehr einseitig hirselastige Ernährung wird daher in Teilen des ländlichen Afrika und Asien mit Kropfbildung (Struma) in Verbindung gebracht. Durch Mälzen, Mahlen, Kochen und Fermentieren lassen sich diese Stoffe verringern.

Quellen: Wikipedia: HirseWikipedia: Rispenhirse

Geschälte Rispenhirse – das vertraute goldene Korn („Goldhirse“).
Geschälte Rispenhirse – das vertraute goldene Korn („Goldhirse“).Bild:Gaurav Dhwaj Khadka, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Korn der Perlhirse.
Korn der Perlhirse.Bild:Sznu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Essen & Trinken

Vom Brei bis zum Bier: Hirse in der Küche

Pro Kopf wird Hirse in Westafrika am meisten gegessen, doch sie ernährt Menschen auf allen Kontinenten – als Brei, Fladenbrot, Klöße, Snack und in erstaunlich vielen Getränken.

In der afrikanischen Sahelzone ist Hirse ein Grundnahrungsmittel – in Niger und Namibia macht sie über 65 % des verzehrten Getreides aus. Gemahlen und mit Milch vermengt entstehen daraus Fura und Brukina. In Indien wird Hirse meist als Mehl gegessen: In Karnataka wird Fingerhirse (Ragi) zum Fladenbrot Ragi Rotti und zu Teigklößen (Ragi Mudde).

In Europa und Russland kennt man Hirse vor allem als Brei. In Deutschland isst man sie süß – etwa mit Milch und Beeren zum Frühstück. In Russland ist Hirsebrei, oft mit Kürbis zubereitet, weiterhin verbreitet und gilt als gesund. In der Ukraine war der Hirsebrei Kulisch ein Grundgericht der Saporoger Kosaken.

Hirse wird auch zu Getränken: Zu den traditionellen Hirsebieren gehören Dolo in Westafrika und Pombe in Ostafrika, im Sudan das Merisa. Auf dem Balkan, in der Türkei und in Zentralasien trinkt man das schwachalkoholische Boza auf Hirsemalz-Basis. Im Himalaya wird Hirse zu Getränken wie Tongba und Raksi vergoren, in China zu Spirituosen (Baijiu) wie dem berühmten Maotai gebrannt. In Vietnam ist Hirse der Kern des süßen Snacks Bánh đa kê.

Ragi Mudde – Fingerhirse-Teigklöße, Grundnahrungsmittel in Karnataka, Indien.
Ragi Mudde – Fingerhirse-Teigklöße, Grundnahrungsmittel in Karnataka, Indien.Bild:Vsigamany, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Ragi Rotti, ein Fladenbrot aus Fingerhirse, mit Chutney.
Ragi Rotti, ein Fladenbrot aus Fingerhirse, mit Chutney.Bild:Yatish H.S, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Gijang-bap – koreanischer Reis, gekocht mit Rispenhirse.
Gijang-bap – koreanischer Reis, gekocht mit Rispenhirse.Bild:Dr 방원장, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Tongba, ein warmes vergorenes Hirsegetränk des Himalaya.
Tongba, ein warmes vergorenes Hirsegetränk des Himalaya.Bild:Jweatherley, Public domain, via Wikimedia Commons
Bánh đa kê, ein süßer vietnamesischer Hirse-Snack.
Bánh đa kê, ein süßer vietnamesischer Hirse-Snack.Bild:Minh28397, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Quelle: Wikipedia: Hirse

Produktion & Wirtschaft

Wer baut die Hirse der Welt an?

2022 wurden weltweit etwa 30,9 Millionen Tonnen Millethirse geerntet. Ein Land überragt alle anderen – und die meisten übrigen liegen in Afrika.

30,9 Mt
weltweite Hirseernte (2022)
38 %
der Welternte stammen aus Indien
97 %
der Produktion in Entwicklungsländern
Platz 3
Rang Chinas unter den Erzeugern

Größte Hirseproduzenten (2022, Mio. Tonnen)

Indien11,8 Mt
Niger3,7 Mt
China2,7 Mt
Tschad0,7 Mt

Indien ist mit Abstand der größte Hirseproduzent der Welt: rund 11,8 Millionen Tonnen jährlich – etwa 38 % der Welternte und fast das Dreifache des nächsten Verfolgers. Acht der übrigen neun Länder unter den Top 10 liegen in Afrika, von Niger (3,7 Mt) bis Tschad (0,7 Mt); einzige Ausnahme ist China auf Rang 3 mit 2,7 Mt.

Weil Hirse dort gedeiht, wo anspruchsvollere Kulturen scheitern, bleibt sie genau in den Regionen ein wirtschaftliches Rückgrat, die sie am dringendsten brauchen – auch wenn ihre geringen Erträge dem Mais zunehmend Raum verschaffen.

Quelle: Wikipedia: Hirse

Weltweite Hirseproduktion nach Ländern.
Weltweite Hirseproduktion nach Ländern.Bild:AndrewMT, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Stampfen von Mahangu (Perlhirse) in Namibia.
Stampfen von Mahangu (Perlhirse) in Namibia.Bild:Ttnghoshi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

2023

Das Internationale Jahr der Hirse

Im März 2021 rief die Generalversammlung der Vereinten Nationen auf Vorschlag Indiens das Jahr 2023 zum Internationalen Jahr der Hirse aus.

Ziel war es, die Bedeutung der Hirse im Kampf gegen den Hunger in Afrika und Asien hervorzuheben, auf die Schwierigkeiten des Anbaus in Zeiten des Klimawandels aufmerksam zu machen und die globale wie lokale Vermarktung zu fördern. Weil Hirse weniger Wasser braucht und schneller reift als viele eingeführte Getreide, gilt sie als widerstandsfähige Alternative – mit hohem Nährwert obendrein.

Indien, das den Löwenanteil der asiatischen Hirseproduktion stellt, nutzte das Jahr, um Hirseforschung zu fördern und Hirse über sein öffentliches Verteilungssystem auszugeben – und so ein uraltes Korn auf moderne Teller zurückzubringen.

Quelle: Wikipedia: Hirse

Hirsefelder unterhalb des Annapurna-Massivs, Nepal.
Hirsefelder unterhalb des Annapurna-Massivs, Nepal.Bild:Mikael Häggström, Public domain, via Wikimedia Commons

Mehr als Nahrung

Futter, Faser und Energie

Hirse ist nicht nur menschliche Nahrung. Ihre Zähigkeit und ihr schnelles Wachstum machen sie auch für Tiere und Industrie wertvoll.

Als Futtergras hat Hirse echte Vorteile: Tiere wie Lämmer nehmen damit schneller zu als mit Futter-Sorghum, und sie eignet sich gut für Heu oder Silage. Entscheidend: Hirse enthält keine giftige Blausäure, wie sie mitunter im Sorghum vorkommt, und ihr rasches Wachstum erlaubt es, mit der Beweidung auf die Sommerfeuchte zu warten.

Industriell ist vor allem die Sorghumhirse interessant: Neben den Samen wird ihr Halm zu Naturfasern verarbeitet (Faserhirse), und ihre große, kohlenhydratreiche Biomasse macht sie zu einer aussichtsreichen Energiepflanze für die Biogaserzeugung in trockenen Lagen. In den USA wird die Rutenhirse als Lieferant von Cellulose-Ethanol erforscht.

Quellen: Wikipedia: HirseWikipedia: Sorghumhirse

Sorghum-Ernte – der Riese der Hirse-Familie.
Sorghum-Ernte – der Riese der Hirse-Familie.Bild:Thesagemarmot, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Kurioses

Schon gewusst?

Ein paar reizvolle Fußnoten aus der langen Geschichte der Hirse.

„Herr Hirse“

Der chinesische Mythos schreibt die Domestizierung der Hirse dem Hou Ji zu, dessen Name „Herr Hirse“ bedeutet, sowie dem legendären Kaiser Shennong.

Wikipedia: Hirse

Sättigung im Namen

Der Name „Hirse“ stammt aus dem Altgermanischen und ist von einem indogermanischen Wort für „Sättigung, Nahrhaftigkeit“ abgeleitet – passend für ein nährendes Korn.

Wikipedia: Hirse

Hirse bei Attila & Pythagoras

Gästen des Hunnenkönigs Attila wurde der Überlieferung nach ausschließlich Hirse gereicht, und der Philosoph Pythagoras empfahl sie zur Stärkung von Gesundheit und Kraft.

Wikipedia: Hirse

60 Tage bis zur Ernte

Manche Rispenhirse-Sorten reifen schon 60 Tage nach der Aussaat – und die Rispenhirse nutzt Wasser effizienter als jedes andere getestete Getreide.

Wikipedia: Rispenhirse

FAQ

Häufige Fragen

Ist Hirse glutenfrei?

Ja. Hirse ist von Natur aus glutenfrei und kann bei Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie glutenhaltige Getreide ersetzen. Sie wird sogar zu glutenfreiem Bier verarbeitet. Bei der Verarbeitung besteht allerdings ein Risiko der Verunreinigung mit glutenhaltigen Getreiden.

Quelle: Wikipedia: Hirse

Wie viele Hirsearten gibt es?

Botanisch unterscheidet man üblicherweise 10–12 Gattungen, die als Hirse angebaut werden. Die wichtigsten sind Perlhirse, Fingerhirse, Rispenhirse, Kolbenhirse und Teff – dazu die Sorghumhirse, die teils als eigenes Getreide gilt.

Quelle: Wikipedia: Hirse

Wo wird am meisten Hirse angebaut?

Indien ist mit großem Abstand der größte Produzent und erntet rund 38 % der weltweiten Hirse – fast das Dreifache des nächsten Landes. Die meisten weiteren Top-Produzenten liegen in Afrika, allen voran Niger; China steht weltweit auf Platz 3.

Quelle: Wikipedia: Hirse

Warum ist Hirse in trockenen Klimazonen so gut?

Hirsen sind wärmeliebende C4-Pflanzen, die Trockenheit und karge Böden vertragen und sehr schnell reifen – manche Rispenhirse-Sorten in nur 60 Tagen. Sie nutzen Wasser äußerst effizient und fallen, anders als viele Getreide, selbst bei schlechtem Wetter selten ganz aus.

Quellen: Wikipedia: HirseWikipedia: Rispenhirse

Wie schmeckt Hirse und wie isst man sie?

Hirse schmeckt mild und leicht nussig. Man isst sie als Brei (in Deutschland süß mit Milch und Beeren, in Russland oft mit Kürbis), als Fladenbrot und Teigklöße in Indien (Ragi Rotti und Ragi Mudde), als Snack und vergoren in zahlreichen Getränken und Bieren.

Quelle: Wikipedia: Hirse

Warum war 2023 das Internationale Jahr der Hirse?

Auf Vorschlag Indiens riefen die UN das Jahr 2023 zum Internationalen Jahr der Hirse aus, um auf den Nährwert der Hirse und ihre Rolle als klimaresilientes Getreide aufmerksam zu machen, das weniger Wasser braucht und schneller wächst als viele eingeführte Getreide.

Quelle: Wikipedia: Hirse

Quellen

Jede Angabe auf dieser Seite stammt aus der Wikipedia und ist am jeweiligen Abschnitt mit Quelle belegt. Die wichtigsten verwendeten Artikel sind unten aufgeführt. Alle Bilder stammen von Wikimedia Commons und sind unter jedem Bild ausgewiesen.